anmelden (Alt+a)

Formular für Anzeigeeinstellungen

Anzeigeeinstellungen:

Flocki oder ein seltsamer Tag

Meine Familie dreht durch, wirklich! Ich liege harmlos auf dem Teppich im Wohnzimmer, alle Viere von mir gestreckt. Sonst bückt sich mal einer und streichelt mich.
Heute stolpern sie über mich. Sie reißen die Tür auf, rennen wie wild und
rufen: "Weg da, aus dem Weg, Flocki!"

Flocki, das bin ich, leider. Ob einer von ihnen krank ist? Ich mach mir Sorgen um sie.
Da poltert schon wieder jemand über den Flur und stößt die Wohnzimmertür auf.
Ach, der Große ist es. Papa nennen sie ihn. Papa, Mensch, fall nicht über mich!
Schon passiert.
Knurre ich ihn an? Nee, lieber nicht, sonst knurrt er zurück.

Was schleppt er ins Wohnzimmer, der Papa? Einen Baum!
Was will er damit? Soll der zum Verheizen sein? Nee, glaube ich nicht. Meine Familie heizt mit Öl.
Da fällt es mir ein: Er hat den Baum für mich besorgt, damit ich bei der Kälte nicht mehr raus muss, um mein Bein am nächsten Straßenbaum zu hebenn.
Ist der lieb, der Große, so ein schöner Baum! Und ganz für mich?
Vor lauter Dankbarkeit springe ich auf und renne zum Baum, den will ich unbedingt mal ausprobieren.
Ich hebe gerade mein Bein, da keift der Papa los: "Lass das. Der ist nicht für Dich!"

Ach so, jetzt bin ich beleidigt, Schwanz eingekniffen und unter das Sofa.
Ich möchte nur wissen, was er mit dem grünen Ding im Wohnzimmer anfangen will.
Das ist heute ja alles sehr merkwürdig.
Ich krieche nach vorn zu meiner alten Stelle auf dem Teppich. Der Papa kommt auf mich zu und - zack - stolpert er wieder über mich.
Ich jaule laut auf, damit er mich zum Trost streichelt. So, das war laut genug! Na los, bück Dich schon, Großer, streichele mich!
Aber nein, das tut er nicht. Er knurrt nur wieder: "Lieg nicht im Weg, verschwinde!"
Unfreundlicher Kerl, denke ich.
"Du sollst hören, verschwinde", ruft er und reißt die Tür auf. Er zeigt zum Badezimmer. Dorthin soll ich immer, wenn ich im Weg bin. Ich will aber nicht. Die Fußbodenfliesen sind so schaurig kalt. Leider muss ich.

Ich liege da und spitze die Ohren. Aus den Zimmern der Kinder poltert es. Da hämmert einer. Aber vor allem riecht es ganz unverschämt gut nach einem großen Vogel. Der Duft kommt aus der Küche.
Gesehen habe ich den Vogel auch schon. Die Mama hat ihn reingetragen. Ein Riesending - und ohne Federn. Eigentlich ist das ja ungerecht: Ich darf keine Vögel jagen und schnappen. Nicht mal einen Kleinen. Das haben sie mir streng verboten. Wenn ich es doch tue, komme ich sofort an die Leine. Aber die holen sich einfach einen Vogel. Ob die Mama höchstpersönlich hinter ihm hergerannt ist und ihn geschnappt hat? Das hätte ich ja gerne gesehen.
Danach hätte ich sie zur Strafe an die Leine genommen.

Wumm! Da wird die Tür aufgestoßen. Ich kann gerade noch wegspringen. Diese Tierquälerei!
Der Kleinste rast ins Badezimmer. Er wäscht sich die Hände.
Ob er mit mir spielt? Ich stupse ihn mit der Schnauze ins Knie. Dann renne ich ein paar Schritte weg. Meistens rennt er hinter mir her.
Heute nicht. "Keine Zeit! Ich muss noch was fertig machen und dann will ich die Schuhe putzen."
Er will die Schuhe putzen? Er ist irre geworden!
Er hat auch einen so hochroten Kopf und ein komisches Glitzern in den Augen.
Und da flitzt er raus.
Ich muss mal nachgucken, was das bedeutet.

Ein Baum im Zimmer, in der Küche ein großer Vogel, Gebäckduft! Alle laufen aufgeregt hin und her und flüstern miteinander, der Kleinste putzt die Schuhe - freiwillig.
Da fällt mir noch ein, dass Mutter gestern das Haus geputzt hat. Und Vater hat Päckchen aus dem Auto geholt.
Jetzt bin ich fast ein dreiviertel Jahr alt, aber so eine Aufregung und so ein Durcheinander habe ich noch nie erlebt. Ich kann mir einfach nicht erklären, was das soll.
Am besten, ich guck mich mal um, was sonst noch alles los ist.

"Wo hast Du denn die Kerzen", höre ich die Mama. Wieso sucht sie Kerzen? Das elektrische Licht brennt doch. Wir haben keinen Stromausfall, wie vor ein paar Wochen. Na ja, wahrscheinlich kommt er noch, der Stromausfall.
Jetzt ruft der Papa aus der Küche zu Mama im Wohnzimmer: "Die Kerzen wolltest Du doch mitbringen."
"Nee, Du", kommt von ihr zurück.
"Ich weiß genau, dass Du gesagt hast, ich bringe rote Kerzen mit", behauptet er.
"Das kann gar nicht sein", sagt sie, "ich will nämlich Gelbe!"
Und dann rufen sie Beide: "Klaus!" (das ist der Älteste von den Kindern) Und es geschieht noch ein Wunder: Klaus kommt sofort, als sie nach ihm rufen. Sonst trödelt er eher.
"Lauf bitte schnell zum Kiosk und kaufe vier Kartons rote Kerzen" sagt Papa.
"Nee, Gelbe", sagt Mama.
"Also gut, zwei Kartons Rote und zwei Kartons Gelbe" entscheidet Klaus.
Im nächsten Augenblick rennt er los. Mensch, hat der es eilig.
Und vier Kartons Kerzen will er holen. Dann gibt es bestimmt lange keinen Strom.

Jetzt höre ich die Mama: "Es ist schon viel zu spät. Wir müssen uns beeilen, die Verwandtschaft kommt in eineinhalb Stunden."
Jetzt verstehe ich. Das wird heute eine Familienversammlung. Stromausfall und Rudeltreffen.
Aber nee, dahinter steckt mehr. Als ich an der Wohnzimmertür vorbei komme, sägt Papa nämlich unten an dem Baum herum. Und so was tut er sonst nie, wenn die Verwandtschaft kommt.
Ob er den Baum Stück für Stück zersägt? Wahrscheinlich kriegt dann jeder Verwandte ein Stück Baum in die Pfote, ach, Hände heißt das ja bei denen.
Dann wäre das grüne Ding gerecht verteilt.
Aber, Papa sägt nichts mehr vom Baum ab.

Jetzt kommt Susanne zu ihm und zeigt ihm was.
"Ist schön geworden" flüstert er, "sehr schön!"
In dem Augenblick öffnet die Mama die Wohnzimmertür. Susanne versteckt das schöne Ding hinterm Rücken und drückt sich an Mama vorbei.
Aha, Geheimnisse haben sie voreinander. Aber sonst tun sie so, als würden sie sich alles erzählen.
Los, und hinter Susanne her. Ich werde ihr das geheimnisvolle Ding abjagen und es der Mama bringen, die mir immer das Futter gibt. Sie soll auch mal was von mir kriegen.
Ich springe an Susanne hoch und habe es schon fast im Maul, das geheimnisvolle Päckchen.
Aber da wird Susanne giftig und schimpft: "Lass das, verschwinde!" Sie stößt mich weg.
Ich gebe auf und verstecke mich unterm Sofa.
Klaus kommt mit den Kerzenkartons zurück.

Zur Abwechselung ruft Papa jetzt ganz erschreckt: "Schon so spät! Und der Baum steht immer noch nicht!"
Ein neues Rätsel. Wieso soll der Baum im Wohnzimmer stehen? Und zwar zu einer bestimmten Zeit? Keine Ahnung.
Und als er dann ganz prächtig und grün mitten im Wohnzimmer steht, passiert schon wieder etwas Merkwürdiges. Sie lassen ihn nicht einfach so stehen, nein, sie hängen runde Glaskugeln dran. Seltsam, seltsam.

Und während sie das tun, fragt Klaus: "Wann zünden wir den Baum denn an?"
Nee, das gibt es nicht! Baum-Anzünden in der Wohnung. Das dürfen sie nicht!
Die machen heute nur Quatsch.
Mit zwei Sätzen springe ich zum Baum. Ich stelle mich davor und knurre jeden an, der näher kommt. Im Notfall werde ich auch beißen. Ich zeige ihnen schon mal meine Zähne, diesen Brandstiftern.
"Ich kann den Baum nicht schmücken, wenn der verrückte Kerl mich nicht ran lässt", schimpft der Große.
Wer ist denn hier verrückt? Erst den Baum schmücken und dann anzünden?

Ich bin ganz verwirrt und verstehe gar nichts mehr. Sie sind ja sonst wirklich ziemlich normale nette Leute, aber heute ist irgendeine Schraube bei ihnen locker.
Eigentlich hat das schon vor ein paar Tagen angefangen, fällt mir ein. Auf einmal wurden alle aufgeregt. Da sind sie nicht mehr zur Schule und zur Arbeit gegangen. Wahrscheinlich ist es irgendwas mit den Nerven, was sehr ansteckend ist.
Mama sagt zu den Kindern: "Ihr müsst Euch umziehen und der Hund soll noch gekämmt werden."
Bloß nicht! Das ziept so!
Moment mal... Ich glaube, dass ich was verstanden habe. Sie ziehen sich manchmal um, wenn sie weggehen. Wahrscheinlich gehen sie also weg, sozusagen gassi, und ich darf mit, denn ich soll ja noch gekämmt werden. Aber die Verwandtschaft kommt hierher und das ganze Familienrudel.
Jetzt dämmert es mir. Klar! Weil die Verwandtschaft kommt, geht meine Familie weg. Sonst wäre hier nicht genug Platz für die anderen.
Aber der Baum, was soll der? Wahrscheinlich kommt der auch mit? Vielleicht hat man meine Straßenbäume draußen abgehackt. Das wäre dann der Ersatzbaum und sie schmücken ihn, damit er schön aussieht. Aber warum wollen sie ihn anzünden?
Damit komme ich nicht klar. Man kann die Menschen eben nicht ganz verstehen, tröste ich mich.

Ich lege mich an die Küchentür. Dort ist der Duft am herrlichsten. Vor allem der große Vogel riecht - ganz wunderbar. Dazu kommt noch ein Geruch:
Irgendeine besonders gute Wurst.
Die Küchentür ist offen, und die Speisekammertür auch. Sehr nett.
Also, schwupp, auf leisen Sohlen in die Küche und zur Speisekammer geschlichen.
Da stehe ich vor einer unglaublich prachtvollen Wurst. Ein Duft zum Verlieben, zum Auffressen - herrlich. Das halte ich nicht aus. Die schnappe ich mir.
Schon geschehen, und jetzt husche ich ganz unauffällig mit der Wurst über den Flur und suche uns ein gemütliches Plätzchen, meiner duftenden Wurst und mir.
Keiner hat uns gesehen.
Unterm Wohnzimmersofa liege ich sehr gemütlich, die Wurst zwischen den Pfoten.

Der Große hängt Sachen an den Baum, den er nachher anzünden will. Niemand verbietet ihm das: Im Gegenteil, die Mama kommt rein und lobt ihn. Verstehe ich nicht, aber die Wurst schmeckt gut.
Jetzt klopfen die Kinder an die Tür und fragen: "Wie lange dauert es denn noch?"
"Eine Viertelstunde", antwortet Mama.
Warum klopfen die Kinder plötzlich an? Das tun sie sonst auch nicht. Egal.
Noch ein bisschen, und die Wurst ist aufgefuttert. Leider. Lecker war sie!
Und jetzt verziehe ich mich an die frische Luft, das tut gut nach dem Essen.
Und vielleicht vergessen sie in der Zwischenzeit, dass sie mich eigentlich kämmen und bürsten wollen.
"Wo kommst Du denn her", fragt der Papa, als ich unter dem Sofa hervorkrieche.
Dumme Frage, er sieht doch, wo ich herkomme.

Ich stelle mich vor die Haustür und belle. Dann wissen sie, dass ich raus will.
Der Kleine macht mir die Tür auf.
"Der Hund ist ja noch gar nicht gekämmt", ruft Susanne hinterher.
"Alte Petze", knurre ich. Leider versteht sie mich nicht.
Schön ist es draußen.
Aus den meisten Häusern scheint ein anderes Licht als sonst. Da hat der Stromausfall schon angefangen.

Ein Mann kommt auf mich zu. Den habe ich hier noch nie gesehen. Auf dem Kopf hat er eine rote Mütze und er trägt einen roten Mantel. Ein dicker Rauschebart verdeckt sein Gesicht. Und auf dem Rücken schleppt er einen Sack.
Ich finde das sehr verdächtig und gehe hinter ihm her.
Der seltsame Kerl will zu uns, merke ich. Das kommt nicht in Frage.
Schließlich bin ich hier der Wachhund.
Ich renne zu unserer Haustür und stelle mich davor. Keinen Schritt weiter heißt das, sonst beiße ich. Zur Warnung knurre ich den Mann an.
Aber der geht noch einen Schritt auf mich zu. Der kann wohl nicht hören?
"Ruhig", sagt er.
So einen komischen Kerl habe ich noch nie gesehen. Der ist ja schlimmer als der Briefträger!
Jetzt fasst er den Türgriff an. Und ich fasse auch zu, aber nicht nach dem Türgriff, ich zwicke ihm kräftig ins Bein. Den Türgriff lässt er los und rennt den Gehsteig hinunter. Ein Stückchen renne ich hinter ihm her, spring an ihm hoch und belle.
Den habe ich verscheucht. Das hat Spaß gemacht. Wehe, der lässt sich noch einmal blicken!
Meine Familie würde sich freuen, wenn sie wüsste, was sie für einen tüchtigen Aufpasser hat. Bei uns kommt keiner rein, wenn ich das nicht will.

Jetzt kommt die Verwandtschaft: Opas, Omas, Onkel und Tanten - das Rudel ist vollzählig.
Aber es fehlt wohl doch noch einer, denn jeden Augenblick rennt eines der Kinder zur Haustür, guckt raus und fragt: "Wann ist er denn endlich da, der ...?"
Und dann sagen sie noch so ein komisches Wort, das ich nicht richtig verstehe. Es klingt nach Nacht und Mann mit irgend etwas davor.
Ob der auch zur Verwandtschaft gehört? Wann dieser Mann da sein wird, weiß ich nicht. Aber auf keinen Fall kommt einer mit rotem Mantel, Bart im Gesicht und Sack auf dem Rücken. Den habe ich gebissen. Und wenn der noch mal kommt, ist was los.

Die Mama fragt: "Wo steckt denn die Extrawurst für Flocki?"
Ach so, das war meine Wurst, die ich vorhin gefressen habe. Die steckt in meinem Bauch und da steckt sie ganz prima.
"Ich finde sie nicht", höre ich aus der Küche.
"Aber für alle Fälle habe ich noch eine zweite Wurst. Die legen wir ihm unter den Baum!"
Sehr gut. Ich finde die Mama ausgesprochen nett.
Ich verstehe zwar nicht, warum die Wurst unter den Baum gelegt werden soll, denn normalerweise kommt mein Futter in den Napf.

Plötzlich höre ich ein Pochen an der Terrassentür im Wohnzimmer.
Nichts wie hin.
Und wen sehe ich? Den Kerl mit dem Rauschebart und Sack auf dem Rücken.
Der Papa springt auf, ich aber auch. Er öffnet die Terrassentür und ich mein Maul.
Laut bellend stürze ich mich auf diesen seltsamen Kerl.
"Flocki", rufen sie alle, "nicht!"
Warum denn nicht? Die sind gemein. Ich soll wohl gar keinen Spaßhaben. Der Kerl ist doch verdächtig.
Das finden sie aber gar nicht. Sie lächeln ihn freundlich an.
"Endlich", sagt die Mama, und der Komische mit dem Rauschebart sagt:
"Ich wäre früher gekommen und nicht durch die Terrassentür, aber der hat mich verjagt."
Er zeigt auf mich und ich kläffe stolz. Sie sollen ruhig merken, wie tüchtig ich bin.
"Aber Flocki", erklärt Susanne, "das ist doch der ..."
Wieder höre ich dieses seltsame Wort mit Nacht und Mann und irgendwas davor, was ich noch nie gehört habe.

Danach sagt der Papa: "Jetzt zünden wir den Baum an."
Ich jaule noch mal. Das sollen sie nicht tun!
"Ruhig Flocki", beruhigt mich Mama, und dann meint sie: "Den Flocki verwirrt der Rummel heute sehr."
Kann man wohl sagen, knurre ich, aber mich versteht ja doch niemand.

Jetzt beachtet mich auch keiner mehr. Alle drängen ins Wohnzimmer.
Nichts wie hin. Ich muss heute sehr aufpassen, sonst geht noch mehr schief.
Es ist schon ein seltsamer Tag. Wirklich!


Vor etwa 2000 Jahren
ist gar wunderbares der Menschheit widerfahren.
In een Kuhstall hat Maria den Jesus entbunden,
und schon war Weihnachten erfunden.
Der Erfinder, darüber läßt sich nicht streiten,
war dittgrößte Werbegenie aller Zeiten,
denn mit Friede auf Erden und stille Nacht
werden heute noch Millionenumsätze gemacht.
Nee, dittwar wirklich een janz Schlauer,
der verkooft sich besser als Häßler und Beckenbauer.
Doch dittSchönste an Weihnacht - ja keen Frage -
dittsind die vielen freien Arbeitstage
und damit Weihnachten ooch keener verpennt,
ham wa schon viermal Sonntags vorher Advent.
dittnennt man dann die Vorweihnachtszeit,
schön isset, wenn's da schon mal ab und zu schneit.
Weihnachten is teuer, dittweeß jung und alt,
dafür kriejen die meisten ooch een 13. Monatsgehalt!
Doch bevor man die Asche hat uff der Bank,
hat der Fiskus schon mal janz kräftig zujelangt.
Und unser Finanzminister wünscht sich gar sehr,
ach, wenn's doch jeden Monat Weihnachten wär!
Die Kaufhäuser sind strahlend und schön geschmückt
und die Kundschaft ob der vielen Lichterpracht janz entzückt.
Und den Menschen wird es warm und wohl ums Herz,
halleluja - es lebe der Weihnachtskommerz!
Denn eenmal im Jahr wolln wa an unsere Lieben denken
und jeden von ihnen mal so richtig beschenken!
Über Massenmedien bestens informierrt
läuft dittWeihnachtsgeschäft wie jeschmiert.
Obwohl et uns doch schon wieder so dreckich jeht,
kooft die Masse der Kunden nut Qualität.
Video, teure Pelze und echter Schmuck,
hochwertige Elektronikgeräte - die jehn weg ruck-zuck
und himmelhochjauchzend der Engelchor stimmt ein,
aber nur vom Feinsten muß et sein!
Bei uns schenkt man altdeutsch - mit Liebe und Herz.
Vater kriegt'ne Krawatte und Mutter een Nerz.
Der Kleene, der kaum loofen kann,
bekommt' ne elektrische Eisenbahn.
Oma kriegt unser altes Sofa
und der Junior wird 16 - also kriegte en Mofa.
Der Opa, der hustet sowieso schon soviel,
der kriegt' ne Kiste Zigarren, schwarze Brasil.
O du fröhliche, o du seelige - bald isses soweit,
die gabenbringende Weihnachtszeit.
Mit Heilichabend bejinnt meist dittschöne Fest
die Erwartung sich kaum noch zurückhalten läßt.
Bescherung ist dann - so wart früher schon,
Punkt 18 Uhr, ditt ist Tradition.
Am Baum schimmern feierlich die elektrischen Kerzen,
früher warn se aus Wachs,
doch sein se ehrlich, dittwar doch Fax!
Und Weihnachtsmusik kommt von James Last aus der HI-FI-Anlage,
früher mußten wa'selber wat singen - na dittwar'ne Plage!
Doch bevor wir zu die liebevollen Geschenke socken,
heißt's erstmal: fünf Minuten frohlocken.
Bald sieht's inne Wohnung aus wie bei Hempels im Keller
und die Mülltonnen sind voll, die Nachbarn warn schneller.
Is die Geschenkübergabe dann endlich vorbei,
bejinnt im allgemeinen die große Fresserei,
natürlich wird allet im Überfluß genossen,
und hinterher anständig eener hinter de Binde jejossen.
Warum ooch nich - hallejuja.
Et ist ja bloß eenmal Weihnacht im Jahr!


Der Wunschzettel vom Björn Wurzbauer


Sehr geehrtes Christkind, liebes Jesukindlein!

Mein Name ist Björn Wurzbauer und ich werde sieben Jahre alt.

Ich bin nicht sicher, ob es dich wirklich gibt. Falls ja, schreibe ich dir jetzt diesen Wunschzettel. Falls nein, ist es sowieso wurscht und du brauchst ihn gar nicht lesen.

Jetzt ist zwar erst der 2. September, aber ich habe mir gedacht, ich schreibe schon jetzt, dann kannst du die Sachen in Ruhe einkaufen und brauchst nicht so hudeln wie meine Mutter, wenn Besuch kommt. Außerdem kriegst du jetzt alles noch viel billiger, weil es im Angebot ist. Aber ich glaube, dass du die Sachen eh nicht bezahlen musst, weil du ja das Christkind bist. Oder stiehlst du sie vielleicht in einem großen Geschäft, wo es nicht auffällt, wenn etwas fehlt? Wahrscheinlich nicht, weil sonst würde dich dein Vater, der wo der Chef im Himmel ist, nicht mehr hineinlassen.

Im Prinzip ist es mir wurscht, wo du die Sachen hernimmst. Hauptsache, ich kriege sie! Oma hat gesagt, die meisten Geschenke kriegt der, der wo das ganze Jahr schön der Mama folgt und immer das tut, was die Mama will. Ich habe
gesagt: das ist der Papa. Da hat die Oma gelacht und gesagt, das gilt natürlich nur für Kinder und nicht für große Leute. Da war ich sehr froh.
Ich mag zwar meinen Papa gern, aber dass er die meisten Geschenke kriegt, vergönne ich ihm nicht. Außerdem raucht er, wenn die Mama nicht daheim ist und als Belohnung, weil ich ihn nicht verrate, darf ich mir im Fernsehen einen greislichen Monsterfilm anschauen.

Von uns Kindern bin ich bestimmt der bravere, weil meine Schwester, die wo erst fünf Jahre alt ist, ist ein wahrer Deifl. Sie hat mir zum Beispiel im Sommer einen ganzen Schübel Haare ausgerissen - wegen nichts und wieder nichts. Nur weil ich ihrem blöden Goldhamster ein Bier gegeben habe, wie sich nicht da war. Dann habe ich ihn in sein Laufrad gesetzt und zugeschaut, wie er läuft und es war recht lustig. Nach einer Weile habe ich ihn darin total vergessen, weil mein Freund Kevin gekommen ist und wir Fußball gespielt haben. Als nach einer Stunde meine Schwester heimkam, hatte sich das dumme Vieh schon derrennt...
Sie hat geschrieen wie noch was und gesagt, dass ich ein Mörder bin, derweil war es ja praktisch Selbstmord. Er hätte nur das Rennen aufhören brauchen, aber er tat es nicht. Selber schuld. Und ein Schoppen Bier kann doch einem Hamster nichts ausmachen. Außerdem habe ich ihn eh nicht leiden können, weil er hat immer recht gemuffelt. Meine Mama hat mich geschimpft und gesagt, ich bin und bleibe ein totaler Grobian.

Dann haben sie den Hamster im Garten neben dem Kompost beerdigt. Als Sarg haben sie eine Bigmäc- Schachtel hergenommen - aber ohne Bicmäc. Ich musste zur Strafe einen Zettel schreiben. Den haben sie auf einem Holzstecken aufgespießt und neben das Grab hingesteckt. Darauf musste ich schreiben:
Zitat anfang

Hier ruht mein Hamster Fridolin,
erst lebte er, jetzt ist er hin.
Schuld an dem Verdruss
ist mein Bruder, die dumme Nuss.
Zitat ende

Da kannst du sehen, liebes Christkind, wie geschert meine Schwester ist. Zum Schluss hat sie noch ganz scheinheilig gesagt: "Herr, gib Fridolin die ewige Ruhe." Aber ich habe genau gemerkt, dass sie mich meint, weil sie mich so angeschaut hat.

Ich beantrage hiermit, dass du ihr heuer nichts bringst, höchstens eine leere Schachtel, wo ein Zettel drin liegt und darauf soll stehen: "Wer seinem Bruder wegen nichts und wieder nichts einen Schübel Haare ausreißt, kriegt vom Christkind einen Dreck!" Dann hat sie es. Ich wünsche mir dafür heuer etwas mehr, damit es sich wieder ausgleicht. Ich bräuchte unbedingt ein Fahrrad mit 21 Gängen, weil ich bin in der Klasse der einzige, der wo nur 3 Gänge hat. Mein altes Rad mit den 3 Gängen kannst du dafür mitnehmen und einem armen Negerkind in Afrika bringen. Für ein solches sind 3 Gänge schon ein totaler Wahnsinn.
Dann bring mir bitte noch einen Extra-Fernseh für mein Zimmer, damit ich nicht immer den Käse anschauen muss, den meine Mutter und mein Vater sehen wollen.
Die schauen die ganze Zeit Tok-Schous und so Zeug an.

Weißt du, Tok-Schous sind Sendungen, wo lauter Narrische dortsitzen und über was reden, was keinen interessiert. Außerdem brauche ich noch einen Dress vom FC Bayern München und vorsichtshalber vom FC Kaiserslautern, falls diese Hundlinge wieder deutscher Meister werden. Sonst fällt mir momentan nichts ein.
Du könntest mir aber noch ungefähr 1000 Euro in bar bringen, falls mir später noch etwas einfällt. Dann kaufe ich es mir selber und du hast nicht soviel Arbeit mit mir. Bitte vergiss nichts, weil sonst bin ich enttäuscht.
Und in der Zeitschrift, die wo meine Mutter immer liest, steht drin, wenn ein Kind oft enttäuscht wird, wird es psychisch gestört und später eventuell richtig narrisch.

Das willst du doch bestimmt nicht, oder?

Hochachtungsvoll Dein Björn


"Oh Gott", jammert die Wahrsagerin der Kundin vor, "ich sehe Schreckliches, Ihr Mann wird in den nächsten Tagen sterben!"

"Das weiß ich", entgegnete die Kundin, "ich will ja nur wissen - ob ich freigesprochen werde?"


Sitzen zwei Vögel auf einem Baum und beobachten einen Düsenjäger.
"Boah, fliegt der schnell!"
"Würdest du auch, wenn dir der Hintern so brennt!"


Psychiater zur Patientin, die an der Wahnvorstellung leidet, tot zu sein:
"Sagen Sie, glauben Sie, daß eine Leiche Schmerz empfindet?" - "Nein, das kann ich mir nicht vorstellen." Der Psychiater nimmt eine Nadel und sticht der Patientin in den Arm. Sie schreit laut auf. "Sehen Sie!" triumphiert der Psychiater. "Was sagen Sie jetzt!" - "Ich muß zugeben, Sie haben recht."
sagt sie. "Leichen können doch Schmerz empfinden."


Die gute alte Zeit

s ist schon still im Institut,
sogar das Telefax jetzt ruht.
In sanftem Licht bei schwachem Scheine
stehen die Terminals alleine.

Schneeflocken fallen leis' und sacht',
weil das der Bildschirmschoner macht,
ganz lautlos über'n Monitor.
Kein Druckerschnarren dringt an's Ohr,
nur die Standby-Diode brennt
und flackert leicht. Es ist Advent.

Da schließt der Forscher ohne Eil'
g'rad' noch sein letztes Backupfile.
Und als er legt die Akten hin,
geht ihm so manches durch den Sinn.
Er denkt an die Vergangenheit:
"Von wegen gute alte Zeit!

Manch' Stund' hat man mit Zeug verbracht,
das heut' der Rechner ruck-zuck macht."
Er denkt mit mitleidsvoller Mine
an Blaupapier und Schreibmaschine
und an das Warten auf die Post -
wochenlang von West nach Ost.


Heut' mit dem Fax, da geht das fix,
und E-Mail erst: null-komma-nix,
schon sind die Daten über'n Bus.
So kommt er zu dem festen Schluß:
"Heut' hat man's besser, keine Frage!"
Und jetzt geht's in die Feiertage.

Er hatte sich fest vorgenommen,
nicht allzu spät nach Haus zu kommen.
Heiligabend muß vor allen Dingen
ihm Ruhe und Erholung bringen.
Doch als er sich zum Heimgeh'n wandt',
fällt ihm sein Schlüssel aus der Hand.

Und als er sich nach diesem bückt,
hat er ein Blatt Papier erblickt,
das unabsichtlich offenbar
zu Boden scheint's gefallen war.
"Ach Gott," sagt er nach kurzem Lesen,
"das hatte ich total vergessen."

Da geht's - er hat es gleich gecheckt -
um irgend so'n EU-Projekt,
das lange schon mal ausgeschrieben.
Die Bewilligung war ausgeblieben,
doch nach Protesten und Beschwerden
kann es nun neu beantragt werden.
Ganz unten steht noch: "Just remember:
Deadline: 24th December!"

Zwar war im das nicht angenehm,
doch im Prinzip auch kein Problem.
Da er's schon mal beantragt hatte,
ist es gewiß noch auf der Platte.
Schnell raus mit E-Mail oder Fax.
Termineinhaltung ist ein Klacks.

Eine Kopie vom Erstantrag
noch in der Aktenmappe lag.
So denkt er: "Da mach ich mir's leicht!
Der wird einfach nochmal eingereicht.
Nur's Datum ist nicht aktuell.
"Na, kein Problem, das hab'n wir schnell!"

Trotzdem faßt er noch den Entschluß,
daß er zu Haus Bescheid sag'n muß:
'ne halbe Stund' er später käme,
mehr Zeit das nicht in Anspruch nähme.
Das Telefon zu Haus belegt,
was unsern Forscher nicht erregt.

So schickt er halt' ne Mail, ok,
an frau.forscher@t-online.de
Nun froh an's Werk, jetzt wird sich g'sputet,
mit frohem Pieps der Rechner bootet
und schon geht's rund, schnell wie ein Pfeil:
DOS, Windows, Word und Open File.

Doch eines ist jetzt schon fatal:
Wie hieß denn die Datei noch mal?
Schau'n wir mal, was es da gibt.
Abkürzungen sind ja sehr beliebt:
wrzlbr.fmt und knrad.txt
es ist schon manchmal wie verhext.

Und man vernimmt ein leises Fluchen:
"Ja Sakrament, da muß ich suchen."
Nach einer Stunde, in der Tat,
er die Datei gefunden hat.
Sie hieß 'test.doc', es ist zum Flennen,
das hätt' er sich ja denken können.

"Na bitte," dachte er, "das paßt!
Nur noch 'ne Kurzmessage verfaßt,
das File als Anhängsel attached
und dann ins Internet gequetscht.
Vorher wie immer den Login,
dann kriege ich das schnellstens hin."

Doch kommt es nicht ganz, wie er meint.
Denn was am Bildschirm da erscheint,
das hätt' ihn beinah' umgehaun.
Es steht da "LOCAL NETWORK'S DOWN!"
Rasch die Hotline angewählt.
"Das krieg'n wir schon!" - doch weit gefehlt:
das Rechenzentrum menschenleer,
am Heiligabend ist da keiner mehr.

Dann klingelt noch das Telefon.
Seine Frau mit lautem Ton
entfacht 'ne Diskussion sofort,
die schließlich endet mit dem Wort:
"Dann heirat' nächstens dein Büro!"
Das stimmte ihn jetzt auch nicht froh.
Darauf versucht er einmal noch
den Login, denn vielleicht geht's ja doch.

Nach 10 Versuchen schmeißt er's hin:
"Das hat doch alles keinen Sinn.
Dann eben nicht mit Internet,
das macht das Kraut jetzt auch nicht fett.
Stattdessen drucke ich es aus
und dann geht es per Fax hinaus."

Doch wieder unser Forscher irrt.
Er blickt den Ausdruck an verwirrt
und er muß zugeben, daß man
die Formeln nicht entziffern kann.
Den Grund dafür, den kennt er schon:
Das liegt sicher an der Word-Version.

Der Text mit WinWord 2 geschrieben
ist nicht ganz up-to-date geblieben.
Dies Manko wird eliminiert,
indem man Filter installiert,
ein paar Fonts zusätzlich lädt,
darauf in die win.ini geht,
dort zwei drei Einträge editiert
und dann reg.dat modifiziert.

Zuletzt dann schließlich dreimal booten,
das dauert nur ein paar Minuten.
Nach drei Stunden hin und her
lief dann überhaupt nichts mehr:
Kein Word, kein Windows und kein DOS.
Frustriert der Forscher d'rauf beschloß,
den Rechner nunmehr abzuschalten
und zu versuchen, nach der alten
Tippex- und Schreibmaschinenweise
den alten Antrag still und leise
zu retouchier'n und wegzuschicken.
Das sollt' ihm heute doch noch glücken.

20 vor zwölf war es geschafft.
Der Forscher völlig abgeschlafft,
mehr wankt er schon, als daß er geht,
schnurstracks bis zum Faxgerät.
Den Antrag in den Einzugschacht,
gewählt, doch - wer hätt' das gedacht -
hört er nur das Besetzt-Signal
und's Display zeigt: "ERNEUTE WAHL".
Und so probiert erneut er 's wieder,
die Laune ist total darnieder.

Beim zehnten Anlauf endlich dann
springt die Übertragung an.
Dem Forscher geht nur durch den Sinn:
"' s ist zwei vor zwölf, das haut noch hin!"
Wie er sich freut, nah'zu unbändig,
zeigt's Display: "SENDUNG UNVOLLSTÄNDIG".

Es kracht die Faust, die keiner hält,
zack-bumm auf das Bedienungsfeld.
Und bei diesem Faustschlag im Affekt
ist's Faxgerät total verreckt.
Es trifft dies unsern Forscher schwer:
Jetzt ist es aus, jetzt geht nichts mehr!

Am Boden liegend sieht er dann
das Blatt Papier, mit dem's begann.
Fast rasend schnaubt er: "Just remember:
Deadline 24th December!"
Als er das Blatt zerreißen will,
wird er mit einem Male still.
Da sieht er, daß es in der Tat
auch rückseits noch was stehen hat.
Da steht - das sieht er jetzt ganz klar -
"Wiederholungsanträge bis Ende Januar."

Perplex steckt er nun den Antrag
einfach in einen Briefumschlag,
Adresse d'rauf und, ohne Drang,
ab damit in den Postausgang.
Schwer hat der Abend ihn geplagt,
doch jetzt scheint's endlich abgehakt,
und er tritt unverzüglich dann
den wohlverdienten Heimweg an.

Busse fahr'n zwar längst nicht mehr,
doch nimmt der Forscher das nicht schwer
und er beschließt zu Fuß zu laufen,
um gute, frische Luft zu schnaufen.
Ganz still ist es um diese Zeit,
die Landschaft liegt im Winterkleid,

Schneeflocken fallen sacht und leis',
rings um ihm her nur tiefes Weiß.
Man hört nichts Lautes, und im Dunkeln
vereinzelt ein paar Sterne funkeln.
Auf seinem langen Weg nach Haus'
kramt manch' Erinnerung er aus.
Viel fällt ihm ein, während es schneit,
aus der guten alten Zeit.

(Gerhard Frank)


Der angehende Schwiegersohn zum angehenden Schwiegervater:
"Ich rauche nicht, ich trinke nicht und ich rühre keine Spielkarten an und bitte Sie um die Hand ihrer Tochter!"

Der angehende Schwiegervater:
"Das schlagen Sie sich mal aus dem Kopf, glauben Sie, ich will einen Schwiegersohn, der mir immer als Beispiel vorgehalten wird?"


"Herr Doktor, ist das eine seltene Krankheit, die ich habe?"
"Blödsinn, die Friedhöfe sind voll davon!"


Um die Tote zu identifizieren, wird der Ehemann ins Leichenschauhaus geholt.
Kurz entschlossen greift er unter das Laken, tastet an den Beinen entlang und meint dann zum diensthabenden Beamten:
"Ja, das ist meine Frau, sie hatte immer so kalte Füße...!"